Eine CSV, vier Auswertungen
Der erste Prototyp las 16 von 76 Spalten – und zeigte, wie viel in den anderen 60 steckt.
Jede Nacht schreibt das ERP einen Export mit sämtlichen Belegen des Jahres. 76 Spalten pro Zeile: Artikel, Kanal, Lager, Preis, Versand, Zahlungsart, Gutschriften, Stornos. Und trotzdem schauten wir am Morgen auf vier Diagramme. Warum eigentlich?
Der erste Pythia-Prototyp beantwortete genau diese Frage – nur anders, als wir gehofft hatten.
Was der Prototyp konnte
Er las eine einzige Beleg-CSV ein und übernahm davon 16 der 76 Spalten. Daraus rechnete er vier feste Auswertungen, darunter Umsatz nach Monat. Mehr gab es nicht: keine Filter, keine Vergleiche, keine Möglichkeit, eine Zahl bis zum einzelnen Artikel zu verfolgen.
Für eine erste Demonstration reichte das. Die Diagramme sahen ordentlich aus, die Zahlen waren schnell da. Aber schon die zweite Frage im Gespräch – „Und wie sieht das nur für den eigenen Shop aus?“ – ließ sich nicht mehr beantworten.
Alles in einem Topf
Das größere Problem war unsichtbar. Der Prototyp behandelte jede Zeile gleich. Rechnung, Gutschrift, Auftrag und Lagerbewegung landeten im selben Topf. Eine Gutschrift verfälschte damit den „Umsatz“, eine interne Umbuchung zählte wie ein Verkauf.
Eine Auswertung, die alle Belege gleich behandelt, ist keine Umsatzauswertung. Sie ist eine Summe.
Dazu kamen die Dinge, die gar nicht vorkamen: keine Retourenauswertung, keine Einkaufssicht, keine Lager- oder Logistikbetrachtung. Genau dort aber liegen im Handel die Fragen, die Geld kosten.
Was wir daraus gelernt haben
Ein Prototyp beantwortet die Fragen, die man ihm beim Bau gestellt hat. Eine Plattform muss Fragen beantworten können, die erst morgen jemand stellt. Das ist kein Unterschied in der Menge der Diagramme, sondern in der Art, wie die Daten abgelegt sind.
Drei Erkenntnisse haben wir aus dem Prototyp mitgenommen:
- Die 60 ungelesenen Spalten sind der eigentliche Schatz. Kanal, Lager, Versand, Zahlungsart, Belegkette – darin steckt das Wissen, mit dem sich Abweichungen erklären lassen.
- Belegtypen gehören getrennt. Verkauf, Gutschrift, Einkauf und Lagerbewegung sind unterschiedliche Dinge und brauchen eigene Tabellen.
- Der Export ist kein sauberes Datenformat. Uneinheitlich geschriebene Länderkürzel, Nullpositionen für Muster und Gratisartikel, Zeichen an Stellen, an denen sie nicht hingehören. Wer das ignoriert, rechnet mit falschen Zahlen.
Aus diesen Erkenntnissen wurde ein Auftrag: Pythia sollte keine Auswertung mehr sein, sondern eine Datenplattform, auf der beliebige Auswertungen entstehen können.
Im nächsten Monat: Plattform statt Auswertung – wie Pythia Daten erst sammelt, dann ordnet und erst danach rechnet.