Konsumklima, ifo, Inflation
Die großen Kennzahlen einblenden – und messen, ob sie wirklich etwas erklären.
Die Verbraucherstimmung ist im Keller, titeln die Zeitungen. Sollten wir deshalb vorsichtiger einkaufen? In vielen Einkaufsrunden wird so argumentiert – mit Zahlen, die jeder kennt, und einem Zusammenhang, den niemand geprüft hat.
In diesem Monat hat Pythia diesen Zusammenhang geprüft.
Die großen Reihen, einblendbar
Pythia kennt jetzt fünf Konjunkturreihen: Konsumklima und Anschaffungsneigung aus der europäischen Verbraucherumfrage, das ifo-Geschäftsklima für die Gesamtwirtschaft und für den Handel sowie die Inflation aus dem Verbraucherpreisindex. Alle lassen sich in der Timeline einblenden.
Damit sie vergleichbar sind, rechnet Pythia jede Reihe in einen eigenen Index um, mit derselben Basis: Der Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2023 ist 100. Der Index liegt auf derselben Achse wie der Kaufwetter-Index. Eine Kachel je Reihe zeigt den Rohwert, die Änderung zum Vorjahr und den Index, dazu den Monat, aus dem der jüngste Wert stammt.
Messen statt übereinanderlegen
Der naheliegende Weg wäre, die Kurven über den Umsatz zu legen und hinzuschauen. Genau das führt in die Irre. Je nachdem, welches Jahr man betrachtet, scheinen Konjunktur und Umsatz mal miteinander, mal gegeneinander zu laufen. Der Grund: Jede Monatsreihe wird von der Saison beherrscht, und zwei Reihen mit langfristigem Trend sehen immer irgendwie zusammenhängend aus.
Zwei Kurven, die gemeinsam steigen, beweisen nichts. Sie haben nur dieselbe Richtung.
Pythia vergleicht deshalb Änderungen: Wie hat sich die Reihe gegenüber dem Vorjahresmonat verändert, und wie das Umsatzniveau gegenüber dem Vorjahr? Und es fragt, ob eine Reihe einen Vorlauf hat – ob ihre Änderung heute etwas über den Umsatz in einem, zwei oder drei Monaten sagt.
Was dabei herauskam
Das Ergebnis formuliert Pythia als Satz, auch dann, wenn die Antwort „kein Vorlauf“ lautet. Und die Antwort war ernüchternd: Konsumklima und ifo-Geschäftsklima erklären das Umsatzniveau gegenüber dem Vorjahr messbar nicht. Die Anschaffungsneigung zeigt einen sehr schwachen Zusammenhang. Einzig die Inflation zeigt einen negativen Zusammenhang mit etwa drei Monaten Vorlauf – klein und nicht in jedem Jahr stabil.
Das ist kein Misserfolg. Es ist eine Antwort. Wer künftig mit dem Konsumklima argumentiert, kann nachsehen, ob es für das eigene Geschäft überhaupt etwas bedeutet.
Im nächsten Monat: Ereignisse als Objekte – warum eine Aktion mehr ist als ein Punkt im Kalender.